• LEBENDIGsein •
Manchmal wünschte ich mir, dass alles ein bisschen einfacher wäre.
Die Uni, die mich momentan in den Wahnsinn treibt und die mein ganzes Denken beherrscht. Die Wohnung und mein Vermieter, die mir keinen Raum zum Atmen lassen. Die Arbeit für das Radio, die ich liebe, aber die manchmal einfach noch mehr meiner Zeit schluckt. Die Tatsache, dass ich jetzt eigentlich lernen sollte, aber mich lieber mit anderen Dingen beschäftige. Die Planung für mein Praktikum im Edinburgh im September und natürlich steht das nächste Praktikum schon in den Startlöchern.
Kann man nicht einfach mal Urlaub machen? Luft holen?
Von allen Seiten kommt nur: Du musst jünger, besser, schneller sein…Wer kann da schon mithalten, ohne sich nicht selbst dabei aus den Augen zu verlieren? Seien wir realistisch: Der Leistungsdruck steigt. Die Anforderungen auch. Manchmal möchte ich einfach aussteigen. Haltestelle “ Mensch sein“. Ich bin nämlich keine Maschine. Ich habe Gefühle, Probleme, Macken… und ja, ich bin Mitte zwanzig, aber das ist nicht das Ende der Welt, auch wenn Leute mich ansehen, als wäre ich bereits klinisch tot.
Am besten, man ist 23, hat bereits endlos viele Praktika hinter sich und einiges an Auslandserfahrung zu bieten. Nebenbei arbeitet man noch in sozialen Projekten und als studentische Hilfskraft beim Dozenten, der einem die guten Kontakte ermöglicht. Das Studium hat man dann am besten auch schon abgeschlossen.
Letztes Jahr hatte ich ein Gespräch, als ich vor einem Sprechzimmer in der Uni einen Termin bei einem Professor hatte. Dort saß eine Frau, etwa so alt wie ich und guckte mich seltsam an, als ich ihr auf ihre Frage, was ich denn nach dem Studium machen wolle, sagte, ich möchte gerne ins Ausland. Normalerweise ernte ich dann Lacher, aber diese großen, ungläubigen Augen waren mir neu.
Aber so verlierst du doch Zeit!
Wessen Zeit denn? Ich meine, bin ich nicht schon lange genug in diesem Hamsterrad? Ich bin realistisch, ich weiß, dass die Situation auf Grund der Weltwirtschaftskrise nicht einfach ist, aber ich lasse mich davon nicht abschrecken, denn ich weiß alles, was ein Ende hat- Weltwirtschaftskrise, Uni, Schule- ist die Möglichkeit eines neuen Anfangs.
Auch für mich.
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Tags: Alltag, Anfang, Gedanken, IchSEIN, Lebensfragen, Uni


Name: Nadine Piontek


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