Rosa Mädchenträume
• LEBENDIGsein •
Nach langer Abstinenz bin nun auch wieder hier. Das Erste, was mir sprichwörtlich ins Auge fiel, war das neue Monatsthema. Rosa. Was verbinde ich damit? Die Antwort fällt mir leicht.
Rosa ist eine Mädchenfarbe oder viel eher DIE Mädchenfarbe. Das fängt doch schon bei der Zimmerausstattung von Säuglingen an. Wenn es ein Junge wird, wird alles blau. Ein Mädchen bekommt die gleiche Ausstattung, aber natürlich in rosa. Ich frage mich, warum das eigentlich so sein muss. Kann man nicht einfach etwas Neutrales wählen? Oder warum können Jungs keinen rosa Strampelanzug bekommen? Haben die Eltern dann schon Angst, es könnte „schwul“ wirken? Ist das alles so sehr in unseren Köpfen verankert?
Da hört es bei weitem noch nicht auf. Wenn Kinder älter werden, wird das Farbschema bei behalten. Mädchen spielen mit Puppen in rosafarbenen Kleidern, während Jungs mit Bausteinen und Autos spielen.
Also anscheinend war ich demnach kein Mädchen, denn es gehörte nicht zu meinen Kleinmädchenträumen alles in rosa zu bekommen. Okay, wenn ich darüber nachdenke, meine erste Barbiepuppe war eine Ballerina, aber ihr Freizeitoutfit beinhaltete ein blaues Kleid. Ich habe auch mit Holzklötzen gespielt. Mädchen fand ich übrigens richtig blöd. Die wollten mir immer sagen, was ich nun zu tun hatte und dass ich gefälligst bei dem allseits beliebten Spiel “ Vater- Mutter- Kind“ mitzuspielen habe.
Als Teenager befindet man sich in einer inneren Krise, auch wenn einem das meist erst bewusst wird, wenn man die Pubertät längst hinter sich gelassen hat. Mädchen fangen an sich für Klamotten und Schminke zu interessieren. Auch da muss ich leider passen. Was ich aber mit Sicherheit von mir behaupten kann, ist, dass ich rosa abgrundtief gehasst habe. Neben lila und pink. Das war mir alles zu mädchenhaft. Wenn ich an rosa dachte, kamen mir sofort kichernde Mädchen in den Sinn, die nichts außer Schminke und Jungs im Kopf hatten. Da das für den Großteil der Mädchen zutraf, kann man sich ausmalen wie mein Verhältnis zu einem bestimmten Typ Teenager so war.
Heute sehe ich das Ganze entspannter und ich muss zugeben, inzwischen liebe ich rosa, lila und vor allem auch pink. Ich kann auch eine Frau sein, ohne den gängigen Klischees zu entsprechen. Und dennoch- als ich letztes Jahr bei meinem Frauenarzt wegen dem Thema Verhütung war, wurde ich bitter enttäuscht, als er sagte:
Also, wenn jetzt ihr Traumprinz vorbei kommt, dann ist erst mal nichts mit Kinder kriegen!
Glaubt mir, ich bin innerlich zusammen gezuckt und sofort dachte ich an den berühmten weißen Gaul mit seinem Prinz. Hinter ihm sitzt eine in rosa gekleidete Frau und klammert sich selig an ihn. Ich bin enttäuscht, dass selbst mein Arzt mich in eine rosa Schublade stecken möchte. Ich habe nie von dem Prinzen geträumt, aber ich hatte keine Lust auf eine Diskussion und habe tapfer die Zähne zusammen gebissen.
Bin ich also nur ein richtiges Mädchen oder eine Frau, wenn ich rosa mag? Muss ich an den Traumprinzen glauben oder es lieben Schuhe zu shoppen? Ich denke nicht, aber ich kann mich natürlich auch irren. Vielleicht hoffe ich ja noch, dass man aufhört bereits Kinder über gesellschaftliche Normen einzuordnen. Da sehe ich alles durch die rosarote Brille. Das sind eben meine ganz persönlichen Mädchenträume.
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Name: Nadine Piontek


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