•KURIOSsein

Hier im Rheinland gelten natürlich Gesetze wie überall sonst. Allerdings gibt es hier in der Gegend ein ganz spezielles Gesetz, was wenig mit Vorschriften zu tun hat, sondern viel eher eine Lebenseinstellung widerspiegelt.

Ich rede natürlich über das Kölsche Grundgesetz.

Für Außenstehende, auch Hinzugezogene oder Touristen genannt, scheinen einige Dinge hier sehr seltsam zu verlaufen. Die Sprache. Was zum Teufel sagen die denn? Man nickt einfach nur wild und wundert sich, warum man plötzlich ein Glas Kölsch in die Hand gedrückt bekommen hat. Das kann man nämlich nicht nur sprechen, sondern auch trinken. Prost! Das mir hier keiner ein Alt bestellt.

Die vielen Schwulen und Lesben hier irritieren einige Leute auch. “ Wat lurste so?“ wird einem dann entgegen geschleudert, weil man tatsächlich überrascht ist, dass hier Männer auf der Straße herumlaufen, die man auf Grund der Damenbekleidung erst auf den zweiten Blick als solche erkannt hat.

Das Schrägste hier ist aber wohl der Karneval. Eine Party, doch Karnevalsvereine nehmen die Sache dann doch wieder ernst. Es gibt Orden, verschiedene Vereine und Kostüme…

Und wehe, man geht zu seinem ersten Karnevalszug, hört die Leute laut “ Der Zuch kütt!“ und “ Kamelle!“ rufen und denkt sich, man gehöre dazu, wenn man laut „Helau!“ rufe. Davon kann ich nur Jedem abraten. Dringend. In Köln ruft man „Alaaf!“. Alle, die was anderes sagen, werden nach Düsseldorf versandt. In Einzelteilen, versteht sich. Die beiden Städte sind für ihre, nennen wir es ruhig so, Feindschaft bekannt.

Denkt auch daran, dass der Karneval bereits im November anfängt. Am 11.11 um 11.11h. Jedes Jahr. Es endet erst mit dem Rosenmontagszug, der im Februar ist. Auch,wenn viele glauben, dass sei der ganze Karneval. Nein, die Karnevalsjecken wissen natürlich, dass das nur der krönende Abschluss ist.

Das kölsche Grundgesett gibt das Lebensgefühl hier sehr gut wieder. Ihr werdet sehen, falls ihr jemals bei einem Kölner zu Besuch seid, werdet ihr das Gesetz sogar eingerahmt neben seinem 1. FC Köln- Schal an der Wand hängen sehen.

Artikel 1

Et es, wie et es.

Es ist wie es ist und man kann ohnehin nichts an der bestehenden Tatsache ändern. Es bringt also nichts sich unnötig aufzuregen. Tut es also auch nicht. Take it easy!

Artikel 2

Et kütt, wie et kütt.

Man weiß nicht, was in Zukunft passieren wird, aber man sollte sich keine allzu vielen Gedanken darum machen, denn was passieren soll, soll passieren.

Artikel 3

Et hätt noch immer jot jejange.

Bisher hat immer noch alles geklappt und wird es wohl auch in Zukunft. Also, keine Angts vor der Zukunft. Trink lieber noch ein Kölsch. Oder zwei.

Artikel 4

Wat fott es, es fott.

Was weg ist, ist eben weg. Es lohnt sich nicht dem noch eien Träne nachzuweinen. Das macht nur depressiv.

Artikel 5

Et bliev nix wie et wor.

Alles unterliegt einer ständigen Veränderung. Man sollte es annehmen und offen bleiben. Bis zu einem gewissen Maß.

Artikel 6

Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

Zuviele Neuerungen sollten dennoch kritsch betrachtete werden, denn was wir nicht kennen, brauchen wir nicht. Ich weiß, dass sich das mit Artikel 5 irgendwie widerspricht, aber irgendein Schlupfloch mussten die sich schließlich offen halten.

Artikel 7

Wat wellste maache?

Erklärt sich wohl von selbst. Was willst du denn dagegen tun? Es ist eben so. Wenn es dir nicht gefällt, kannst du nach Düsseldorf fahren.

Artikel 8

Mach et jot ävver nit ze off.

Mach es gut, aber nicht so oft. Das klingt erst einmal seltsam, bedeutete aber nur, dass man auf sich achten soll. Vor allem auf seine Gesundheit. Bei dem ganzen Bier und Ädappelschlot. Von „Himmel un Äd met Blotwoosch“ mal ganz zu schweigen. Wer auf Blutwurst steht, kann das gerne mal essen. Den anderen rate ich, die Finger davon zu lassen.

Artikel 9

Wat soll der Quatsch?

Die Universalfrage schlechthin. Du magst keinen Karneval? Du Verräter.

Artikel 10

Drinkste eine met?

Dieses Angebot sollte man nicht abschlagen, denn die Kölner sind für ihre Gastfreundschaft bekannt. Und immer schön dran denken, das RICHTIGE Bier zu bestellen.

Artikel 11

Do laachste dich kapott.

Einfach mitlachen. Außer man versteht den Humor nicht. Trotzdem lachen.



One Response to “Das kölsche Grundgesetz- eine Erläuterung für Außenstehende”  

  1. 1 Weidenbach, Wolfgang

    Nett geschrieben, liebe Nadine!

    Man sollte nicht „klugscheißen“! Das will ich ganz bestimmt nicht. Dafür haben Sie sich auch viel zu viel Mühe gegeben.
    Aber die hochdeutsche Variante des Artikels Nr.9 beinhaltet einen kleinen grammatikalischen Fehler.
    Es müßte heißen:
    Du magst keinEN Karneval, da es sich um einen Akkusativ handelt!
    „WEN magst du nicht?“ DEN Karneval nämlich. Verbessern Sie das bitte.

    Ihr
    Wolfgang Weidenbach

    P.S.
    Ich bin kein Lehrer sondern nur Fachidiot für Druckereitechnik. Deshalb fällt mir das auf. (Wir sind bis zum Exzess auf Deutsch getrimmt.)


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