Internet- Geht es noch ohne?
• SPRACHLOSsein •
Ich dachte immer, ich bräuchte das Internet nicht unbedingt. Ich habe nämlich gerade Zuhause keines mehr. Auch kein Festnetztelefon. Nun fühle ich mich vom Rest der Welt abgeschnitten. Mein Sprachrohr wurde mir genommen. Zumindest eines. Ich kann nicht mal eben nach meinen E-Mails gucken und sehen, ob einer meiner Freunde gerade den neuesten Bericht aus Ecuador herübergeschickt hat. Oder ob Schichten beim Radio ausfallen. Die Suche nach den Musikvideos oder sonstigen halbseidenen Poesieergüssen unserer Zeit fällt auch weg. Ich habe vergessen wie sehr man das Internet heutzutage braucht. Es ist ein wichtiges Mittel zur Kommunikation, zum Austausch geworden. Ohne das herrscht große Sprachlosigkeit.
Was habe ich früher eigentlich so gemacht? Ich habe Bücher gelesen. Okay, das tue ich heute auch noch. Ich hatte Brieffreunde. Ungelogen mindestenst zwanzig Stück und ich sage euch, das geht ganz schön ins Taschengeld.
Auch braucht man heutzutage zum Shoppen nicht einmal vor die Tür zu gehen. Ein paar Klicks und das Buch ist schon auf dem Weg nach Hause. Was spricht eigentlich dagegen einmal in dem Buchladen um die Ecke zu stöbern. Man kann ein Buch nehmen und sich in einen Sessel setzen und schmökern.
Freunde treffen? Ich kenne ein paar ganz spezielle Leute, die fast nur online mit Leuten reden. Das wäre ja fast das Gleiche. Das finde ich nicht. Chatten macht schon Spaß, aber ich sehe den Menschen auch mal gerne ins Gesicht, wenn ich mit ihnen rede.
Von der Uni einmal ganz zu schweigen. Heute läuft doch nichts mehr ohne Onlinerecherche oder Powerpointpräsentationen. Hausarbeiten natürlich auch nur mit dem PC. In der Uni sitzen viele mit dem Laptop, anstatt mit Papier und Stift.
Ich oute mich, denn ich denke, ich bin da in vielerlei Hinsicht noch sehr altmodisch. Ich liebe Buchläden und ich liebe es mit Menschen in der Realität zu kommunizieren und ja, ich schreibe in Vorlesungen alles per Hand! Aber sind wir doch einmal ehrlich. Die Möglichkeit Internet benutzen zu können, ist schon eine notwendige Ergänzung, über die ich nicht nachdenke, denn normalerweise steht es mir jeden Tag zur Verfügung. Sobald es weg ist, ist es so, als hätte man Entzugserscheinungen.
Wir gewöhnen uns schnell an neue Errungenschaften. Internet, PC, IPod und Co. Auf einmal ist es unvorstellbar ohne diese Dinge zu leben. Zumindest scheint es uns so. Ehrlich gesagt, ging es den Menschen früher auch ohne Internet gut. Man kannte es eben nicht. Manchmal wünsche ich mir schon, dass es so wäre wie früher. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wie meine eigene Mutter anhöre. Es war persönlicher. Man wusste wem man gegenüber saß. Der Brief wirkte auf Grund der Handschrift persönlicher.
Dennoch möchte auch ich nicht mehr verzichten. Ich bin gespannt wie die nächsten Tage werden. Ich werde wohl irgendwie eine Möglichkeit finden ins Internet zu gelangen.
Oder vielleicht schreibe ich mal einen Brief. Per Hand.
Filed under: freithema | 2 Comments
Tags: Alltag, Entzugserscheinungen, freizeit, Gedanken, Internet, Kommunikation


Name: Nadine Piontek


Wie du sagst, Internet ist eine Ergänzung, aber kein Ersatz. Ich schreibe meinen Freunden immer noch handgeschriebene Postkarten und Briefe. Wir treffen uns auch, wenn wir in einer Stadt sind. Aber ich schätze die Internetkommunikation besonders mit Leuten, mit denen mich keine Freundschaft verbindet. Menschen, von denen ich trotzdem gerne ab und zu höre, wie es ihnen geht und was sie so machen. Ich hätte mit vielen wohl gar kein Kontakt mehr, wenn nicht die ein oder andere Online-Plattform es mir so leicht machen würde.