• ALLTAGsein •
Es gibt Momente im Leben, wo ich mir wünsche, es wäre einfach oder eindeutig.
Etwas, dass mir sagt, diese Entscheidung ist jetzt genau die Richtige für mich.
Natürlich ist es nicht so einfach. Manchmal kommt mir das Leben vor wie ein Spiel. Man setzt manchmal alles auf eine Karte- Volles Risiko. Was dabei herauskommt, ist offen.
Ich bin so ein Mensch. Ich probiere aus, bin risikofreudig und wenn mal etwas nicht so läuft (was oft genug vorkommt), dann stecke ich nicht den Kopf in den Sand.
Das Glas ist immer halb voll und nicht halb leer.
Aber da gibt es noch ein anderes Ich. Die vernünftige, zurückhaltende Nadine, die alles abwägt.
Die alle um Rat fragen. Ruhig, verständnisvoll, schüchtern. Die alles allein löst und zu stolz ist um andere zu fragen.
Auf der anderen Seite will ich immer reisen. Ich brauche Freiheit, Raum, keine Grenzen. Das ist Freisein für mich. Am Meer stehen, die Arme ausbreiten und einfach lachen, die Welt hinter mir lassen, die Luft auf meiner Haut spüren.
Das ist die Nadine, die sich gegen alles auflehnt. Rebellisch. Nicht auf den Mund gefallen. Manchmal denke ich, dass bin wirklich ICH, aber vielleicht ist das nur Wunschdenken.
Das Problem ist, in bestimmten Momenten kann ich mich nicht entscheiden. Da kämpfen zwei Herzen in meiner Brust. Ich war immer schon zwei.
In besonders vernunftbetonten Momenten, rufe ich mir die rebellische Nadine ins Gedächtsnis. Ich wäre doch viel lieber wie sie. Ob ich es jemals schaffe ganz wie sie zu sein? Dann gibt es Momente, wo ich diese Vernunft an mir schätze.
Schaffe ich es, beide glücklich zu machen?
Vielleicht ist es auch ganz gut, dass ich so bin. Ich muss mich gar nicht entscheiden. Ich picke mir das Beste aus beidem heraus. So bin ich eben. Schwer einschätzbar. Voller Facetten. Lieber vielfältig als einfältig. Wer das sagt? Ich glaube alle beide.
Filed under: Allgemeines | 2 Comments
Tags: Alltag, Erinnerungen, Gedanken, Lebensfragen, Persönlichkeit, Seele


Name: Nadine Piontek


Ja, das Problem nicht zu wissen, welche Rolle ich in der Welt spielen soll, kenne ich sehr gut. Ständig fragte ich mich: Sollte ich nicht lachen und spielen wie alle anderen? Aber dann überzeugte mich wieder nicht, dass das Lachen und Spielen nicht lange andauerte. Oder sollte ich für mich bleiben und wenigstens mit mir selbst zufrieden sein? Das bedeutete Einsamkeit. Man könnte sagen: Du bist weder diese noch jene Persönlichkeitsrolle, was ja auch stimmt. da ja alle Persönlichkeitsrollen nichts als Zuschreibungen im eigenen Geist sind („ich möchte dies oder das sein“). Potentiell können wir alles sein. Man muss aber auch seine „gewachsene“ Persönlichkeit sehen und leben. Aber wie ist diese? Meiner Behauptung nach könnten wir in diesem Leben völlig zufrieden werden, wenn wir unsere „Ur-Persönlichkeit“ entdecken – das Wesen, welches uns schon vor der Geburt in die Wiege gelegt wurde. Diese Persönlichkeit ist warmherzig, intelligent, furchtlos, ruhig, gleichmütig, anspruchslos, unaggressiv, still und offen, ohne neugierig zu sein – erahnbar an dem offenen Geist, mit dem das Kleinkind in der Wiege liegt und uns anschaut. Aber leider kennen wir diese Persönlichkeit nicht mehr – wir haben sie im Laufe der Zeit vergessen und durch eine Lust-Persönlichkeit ersetzt, die nur aus Illusionen und Haben-wollen besteht – aus dem, was wir nach der Meinung ANDERER sein sollten, und wir haben uns diese Meinung ZU EIGEN gemacht, ohne es zu bemerken. So tappen wir in einem Labyrinth aus wechselnden Sehnsüchten und Leidenschaften hin und her und fühlen uns mal „frei“ und mal „unfrei“. Wenn wir einmal ein wenig mehr Ruhe in uns selbst hätten, würde sich der Nebel vielleicht schon bald heben und wir würden den Zipfel dieser Ur-Persönlichkeit zu fassen bekommen und ihre Spur verfolgen, ohne zunächst zu wissen, wohin sie führt. „Der Hund findet den Herrn, den er verloren hat, durch dessen Geruch“ – und so finden wir unsere wahre Persönlichkeit durch den anziehenden Duft, den sie ausstrahlt. Meiner Überzeugung nach kann man diesen Duft nicht finden, solange man sich in der menschlichen Gesellschaft aufhält; dazu benötigt man ein Abgehen von allen äußeren Interessen, auch vom Reisen, das ja nur eine Metapher für „Sehnsucht“ ist und stets unerfüllt bleibt.
In der Welt gibt es viele Abenteuer zu bestehen – dafür benötigt man wechselnde „Persönlichkeiten“. Aber wie wäre es, das Abenteuer der inneren Welt zu entdecken?
Freiheit ist nie außen – nur innen. Freiheit ist Freisein von sich selbst, vom Geist des Brauchens und der wechselnden Definitionen des Lebens, vom Geist der Gesellschaft, der unruhig und nie mit sich selbst zufrieden ist. Wenn man älter wird, versteht man dies besser, weil man dann die Illusionen der Jugendzeit besser durchschaut. Am Ende seiner Illusionen stellt man fest, dass es im Leben nichts zu erobern und zu verlieren gibt.
Also, ich denke man entwickelt seine Persönlichkeit über viele Jahre hinweg. Und ich finde es gut, wenn man durch das Leben auch gewisse Züge wie „laut“ und „anspruchsvoll“ annimmt. (Ich meine das weder materiell, noch wortwörtlich.) Wenn wir alles hinnehmen würden bzw. keine Illusionen mehr hätten, bräuchten wir morgens nicht mehr aufzustehn. Und gerade das Leben gestaltet sich doch durch das Gewinnen an Momenten oder das Verlieren lieber Menschen. Das ist es doch, was dich prägt…