• ALLTAGsein

2002 hatte ich eine Idee.
Ich wollte unbedingt eine Sprachreise machen und zwar nach Boston.
Nachdem ich meinen Willen durchgesetzt hatte, erwarteten mich 4 Wochen USA. Doch diese Zeit prägte mich noch in anderer Hinsicht, als ich zunächst erwartet habe.

Ich veränderte mich, denn ich hatte zum ersten Mal den Duft der großen, weiten Welt in mir aufgenommen. Berauschend, intensiv. Es macht süchtig und wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht wieder damit aufhören.
New York, Boston, Cape Cod,….

Doch, ich lernte auch einen besonderen Menschen kennen. Nicht so, wie man das jetzt annehmen möchte. Ich habe mich dort in Boston auch verliebt, aber im Nachhinein betrachtet war das nur Schall und Rauch.

An meinem 1. Tag wurde ich über den Campus geführt und da sah ich sie zum ersten Mal. Kumiko. Eine Japanerin aus Tokio und ebenfalls in Boston, um eine Sprachreise zu machen. Ich beachtete sie erst nicht, hatte ich doch zunächst nur Augen für den Supervisor, der sie herumführte. Doch wir liefen uns am nächsten Tag zufällig über den Weg und von da an machten wir öfter Sachen gemeinsam und wurden schließlich unzertrennlich.

Wir gingen in die Innenstadt, machten Ausflüge zusammen, gingen ins Kino und teilten Geheimnisse.
So unterschiedlich wir auch waren (ihre höfliche Zustimmung zu allem, auch wenn sie es nicht wollte, machte mich wahnsinnig!), unsere Freundschaft war sehr schnell sehr eng. Es gibt manchmal Menschen, die einem sofort sehr nahe sind. Das gibt es nicht oft und ich betrachte es als eine Art Geschenk, denn was ist schon wertvoller als Liebe, Freundschaft und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen? Ich hatte das Gefühl, sie wäre ein Teil von mir, wie ein Puzzlestück, der mich vervollständigt.

Leider kam es, wie es kommen musste. Ich reiste 4 Wochen vor ihr ab, da Kumiko in Boston noch ein vierwöchiges Praktikum machte. Ich erinnere mich noch daran, dass sie mir einen Brief zum Abschied gab und weinte. Es zerbrach mir fast das Herz. Ich öffnete den Brief im Taxi zum Flughafen. Der Wind blies mir durch das offene Fenster ins Gesicht. So sah man nicht, dass ich weinte.

„… Du bist meine beste Freundin…“

Zuhause angekommen, blieben wir in Kontakt, doch die E-Mails wurden weniger. Einmal, ich erinnere mich sehr genau daran, stand ich im Bonner Bahnhof an der U-Bahnhaltestelle. Dort sah ich ein japanisches Mädchen und als ich sie genauer ansah, erinnerte sie mich so sehr an Kumiko, dass mir schmerzlich bewusst wurde, wie sehr ich sie vermisse. Ich weiß, dass sie irgendwo da draußen ist, aber sie ist so fern. Ich will mit ihr reden, sie in den Arm nehmen.

Nun sind 6 Jahre ins Land gezogen. Vor ein paar Wochen musste ich wieder an sie denken.An meinem Geburtstag letzte Woche, kriege ich eine kurze Nachricht per Messenger. Kumiko.Sofort schreibe ich ihr eine Mail, hoffe, dass sie mir schreibt und tatsächlich.

Sie kommt Ende des Monats nach Berlin. Wir werden uns sehen nach all der langen Zeit. Ich kann es kaum erwarten. Ich weiß nicht, was mich erwarten wird. Wie wird sie sein? Werden wir uns immer
noch so gut verstehen?
Doch mein Herz, mein Gefühl sagt mir, es wird alles gut.



2 Responses to “Auf ein neues Wiedersehen”  

  1. 1 mooki

    oh, das kenne ich auch. Habe vor drei Jahren an einem Austauschprogramm nach Japan teilgenommen. War zwar nur zwei Wochen, aber die japanische Gruppe war davor auch in Deutschland. Ich finde es faszinierend, wie schnell man jemandem sehr nah sein kann. Wenn man sich versteht, teilt man unheimlich schnell Sachen.

  2. 2 missfriday

    Das stimmt. Es ist schön, wenn man merkt, da ist Jemand,der einem nahe ist.


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