Das erste Mal

06Jun08

• ALLTAGsein

Es gibt viele erste Male. So ist es auch das erste Mal, dass ich einen Blog, eine Art öffentliches Tagebuch, schreibe. Hallo, Welt! Hier bin ich! Aber da es mich schon etwas länger gibt, wird die Welt nicht sehr von meinem euphorischen Ruf überwältigt oder gar überrascht sein. Ich bin nun doch schon so alt (wie deprimierend), dass ich schon einige erste Male hinter mir habe.

Das erste Mal, als ich meine kleine Schwester sah und darüber enttäuscht war, dass sie kein Junge war und auch sonst nicht viel konnte. Mein erster Schultag, den ich mit gemischten Gefühlen entgegen getreten bin. Meine erste beste Freundin, der ich manchmal immer noch nachtrauere, aber auch Dinge wie mein erster Tag an der Uni oder in Bonn und auch meine erste eigene Wohnung. Endlich konnte ich essen und gleichzeitig dabei lesen. Meiner Mutter war das immer ein Graus gewesen.

All diese Dinge waren entweder enttäuschend oder im nachhinein viel schöner, als man erwartet hat. Meine Schwester zum Beispiel. Im Endeffekt war ich dann froh,dass sie ein Mädchen war und nachdem sie laufen und reden konnte, war alles nur noch halb so schlimm. Es war immer gut Jemanden zu haben, der einem bei langweiligen Familienfesten tatkräftg zur Seite stand.

Die Schule hingegen war für mich die reinste Enttäuschung oder Qual- je nachdem. In den ersten paar Jahren hatte ich noch Spaß, aber ab der 4. Klasse ging es abwärts und ehrlich, bis heute vermisse ich die Schule nicht, aber eines wusste ich schon sehr früh: Ich wollte studieren.

Meine Einschreibung an der Uni hingegen war nicht besonders spektakulär. Ich ging ins Studentensekretariat, füllte ein paar Papiere aus – fertig. Ordentlich eingeschriebene Studentin. Das Wort ordentlich und mein Name waren eigentlich unvereinbar.

Man sieht, ich erinnere mich an einige Dinge sehr genau. In meinem Freundeskreis bin ich für mein gutes Gedächtnis bekannt, doch an eines erinnere ich mich nicht: An meinen ersten Tag in Bonn. Ihr werdet euch fragen, warum? Ganz einfach. Ich bin in der Nähe von Bonn aufgewachsen – in einer Kleinstadt mit knapp 40.000 Einwohnern und nur 10km von Bonn entfernt. Ich war wahrscheinlich schon in Bonn, bevor ich überhaupt fähig war, mich bewusst an etwas zu erinnern. Der Beginn des Studiums brachte mir zwar eine neue Stadt, aber sie war mir nicht unbekannt. Ich war immer noch im Rheinland. Der Karneval ist immer noch da, auch wenn ich mich inzwischen in meiner Wohnung einschließe,wenn Karnevalisten betrunken durch die Straßen pilgern und Musik à la „Denn mir sin kölsche Mädcher, han Spetzebötzjer aan…“ von sich geben. Das schwül-graue Sommerwetter, was mich immer dazu veranlasst mich wie in einem Dampfkochtopf zu fühlen, ist auch keine große Überraschung für mich. Ebensowenig habe ich keine Probleme, den Dialekt zu verstehen, was einigen Neuankömmlingen doch sehr zu schaffen macht.

Warum bin ich dann also immer noch hier? Mein Studienfach. Das gibt es so in Deutschland nur einmal. Altamerikanistik. Ich erinnere moch noch daran, als ich mir aus Langeweile auf dem Dies Academicus der Uni Bonn eine Veranstaltung dazu angesehen habe. Ich war sofort Feuer und Flamme. Auch für den etwas kauzig wirkenden Dozenten.

Ich bin jemand, den sofort etwas umhaut oder gar nicht. Deshalb hoffe ich auf viele weitere erste Male, denn seien wir mal ehrlich, ohne sie würden wir keine neuen Erfahrungen machen, nichts dazu lernen. Dafür ist das Leben da, um zu lernen, zu erfahren, zu begreifen.

Ich hoffe auch, dass sich mein erster Blog für mich lohnt. Wer weiß, was ich dabei noch alles lernen werde.



2 Responses to “Das erste Mal”  

  1. Das mit der Schule ging mir genauso. Uni ist viel schöner! Endlich kann man sich ausschließlich mit Dingen beschäfigen, die einen wirklich interessieren. Wer braucht schon Integralrechnung? ;)

  2. 2 missfriday

    Integralrechnung? Nein, Mathe war absolut nichts für mich. Ich war die reinste katastrophe. Leide rmuss man ja auch dinge machne, die nicht so toll sind- auch in der Uni. :-D
    Wie gesagt, man lernt nie aus… Aber Mathe war definitiv überflüssig- für mich.


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